Die Rechtsabteilung der SCHOTT AG

Dr. Anne Daentzer, Head of Legal, Mainz

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Wie ist die Abteilung intern aufgestellt?

Die Rechtsabteilung der SCHOTT AG gehört zu der Corporate Function Compliance & Legal. Zu dieser Corporate Function gehören außerdem noch die Abteilungen Markenrecht, Versicherungen, Patente und Compliance. Die eigentliche Rechtsabteilung besteht aus der Kernrechtsabteilung mit Sitz in Mainz, dem Sitz der SCHOTT AG, sowie den weiteren Standorten der Rechtsabteilung in Schanghai und in Elmsford in den USA.

Die Rechtsabteilung unterstützt das Management des Konzerns in allen gesellschaftsrechtlichen und strategischen Fragen sowie das weltweite operative Geschäft der Business-Units.

Wie viele Mitarbeiter und welche fachliche Ausrichtung gibt es?

In Mainz arbeiten sechs Volljuristen, in Schanghai und Elmsford beschäftigen wir jeweils zwei lokale Juristen.

Die Juristen in Mainz betreuen allumfassend (d.h. sowohl in allen Rechtsfragen des operativen Geschäfts als auch bei M&A-Vorhaben oder bei gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen) jeweils ein oder zwei Business-Units, die Juristen in Schanghai sind für die rechtliche Betreuung des gesamten asiatisch-pazifischen Raums, die Juristen in den USA für die NAFTA-Region zuständig.

  • Fachliche Ausrichtungen:
  • Allgemeines Wirtschafts- und Handelsrecht
  • Aktien- und Gesellschaftsrecht
  • M&A
  • Öffentliches Recht, insbesondere Umwelt- und Energierecht
  • Produkthaftungsrecht
  • Arbeitsrecht
  • Immobilienrecht
  • Bank- und Finanzierungsrecht
  • Kartellrecht

Aufgrund der internationalen Ausrichtung des SCHOTT Konzerns (SCHOTT erwirtschaftet ca. 85% seines Umsatzes außerhalb Deutschlands) sind in der Rechtsabteilung neben Englisch und Französisch sprechenden Kollegen außerdem eine Chinesisch sprechende Juristin und ein Japanisch sprechender Jurist in Mainz beschäftigt.

Wie ist das Verhältnis zu der Abteilung Compliance?

Compliance gehört neben der klassischen Rechtsabteilung gleichberechtigt zu der Corporate Function Compliance & Legal, beide Abteilungen sind in Mainz räumlich auf demselben Flur untergebracht und arbeiten bei verschiedenen Projekten eng zusammen. Im Bereich Compliance sind u.a. noch die Funktionen Datenschutz und Exportkontrolle angesiedelt.

Wie sind die Berichtswege und Zuständigkeiten ­organisiert?

Der General Counsel, der der Corporate Function Compliance & Legal vorsteht, berichtet an den Vorstandvorsitzenden der SCHOTT AG, die Leiterin der Rechtsabteilung sowie der Leiter Compliance an den General Counsel. Innerhalb der Rechtsabteilung sind die Hierarchien flach gehalten, alle Juristen in Mainz und Schanghai berichten an die Leiterin der Rechtsabteilung, die amerikanischen Juristen an den General Counsel.

Wie und nach welchen Kriterien werden externe ­Anwaltskanzleien ausgesucht und beauftragt?

Es gibt eine Anwaltsliste, nach der Kanzleien je nach Art, Umfang, Schwierigkeit und Lokalität des Projekts ausgewählt werden, und zwar auf Grundlage der von uns entworfenen „Mandating and Billing Guidelines“. Es gibt kein einheitliches standardisiertes Auswahlverfahren, je nach Projekt wird mal ein Pitch veranstaltet, mal wird auf bewährte Kontakte zurückgegriffen. Wir mandatieren eher kleinere Einheiten als Großkanzleien. Panelkanzleien haben wir nicht.

Welche Vergütungsmodelle praktizieren Sie mit den externen Anwaltskanzleien?

Wir arbeiten teilweise nach Festpreisen, teilweise nach Stundensätzen. Wichtig ist uns, dass immer ein Cap vereinbart wird und unsere Billing-Grundsätze (z.B. keine Doppelabrechnung von internen Besprechungen) eingehalten werden.

Welche Bedeutung hat das Legal-Process-Outsourcing in Ihrer Abteilung?

Wo immer möglich, betreuen wir den Konzern mit unseren Inhouse-Juristen. Aufgrund der sehr guten Vorbildung der internen Anwälte (die Juristen haben vor ihrer Tätigkeit bei SCHOTT entweder in internationalen Kanzleien, Banken oder Großunternehmen gearbeitet), ist uns das auch in einem erheblichen Umfang möglich. Wo eine Hinzuziehung von externen Beratern unumgänglich ist, werden diese von den Inhouse-Juristen eng geführt und möglichst nur zur Klärung von Spezialfragen herangezogen.

Welche Rolle spielen IT-Systeme in Ihrer Abteilung?

Wir haben gerade in einem zweijährigen Prozess eine Sharepoint-basierte elektronische Vertragsdatenbank eingeführt, in die sämtliche aktiven Verträge des Konzerns überführt worden und somit nun weltweit einem definierten Nutzerkreis zugänglich sind. Damit verbunden sind außerdem Funktionen wie die elektronische Beteiligungsdatenbank sowie ein sog. Contract-Builder.

Als Nächstes werden wir uns mit dem Thema E-Akte auseinandersetzen.

Welche Rolle spielen die Schiedsgerichtsbarkeit und die Mediation in Ihrem Unternehmen?

In internationalen Verträgen sowie bei M&A-Transaktionen vereinbaren wir regelmäßig Schiedsklauseln. Außerdem gibt es einige Länder, wie z.B. China oder Indien, in denen wir versuchen, staatliche Gerichte zu vermeiden. Mit Mediationen haben wir noch keine konkreten Erfahrungen gemacht, würden das im Streitfall aber als eine Möglichkeit in Betracht ziehen.

Welche Veränderungen – im Rechtsmarkt und in Ihrer Abteilung – erwarten Sie für die nächsten fünf Jahre?

  • Fortschreiten der Digitalisierung
  • weniger Standardberatung, stattdessen mehr Fokussierung auf Highendberatung
  • weiter zunehmende Internationalisierung
  • verstärkt strategischer Berater der operativen Einheiten werden als bisher